Buch Tipp: Superior
- von Anne Rose
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Was passiert, wenn der Traum vom großen Durchbruch plötzlich wahr wird – und eine Beziehung daran zerbricht? In seinem Kriminalroman „Superior“ erzählt Sören Prescher die Geschichte von Michelle und Jonas. Aus einer jungen Liebe wird eine zunehmend beklemmende Geschichte über Erfolg, Eifersucht, Abhängigkeit und die dunkle Seite des vermeintlichen Traums vom Superstar.
Eine Liebesgeschichte, bei der das Ende bereits feststeht
„Superior“ beginnt ungewöhnlich: Michelle erzählt rückblickend die Geschichte ihrer großen Liebe – und der Leser weiß bereits, dass diese Beziehung wenige Jahre später in einem blutigen Drama enden wird.
Damit geht es weniger um die Frage, ob etwas Schreckliches passieren wird. Viel spannender ist, wie zwei junge Menschen Schritt für Schritt an den Punkt gelangen, an dem aus einer zunächst glücklichen Beziehung eine Katastrophe wird.
Michelle und Jonas
Als Michelle Jonas kennenlernt, ist sie 17 Jahre alt und noch Schülerin. Jonas ist ein Jahr älter und steht kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Mechaniker.
Die beiden verlieben sich und verbringen immer mehr Zeit miteinander. Schon bald können sie sich ein Leben ohne den anderen kaum noch vorstellen.
Doch Jonas hat einen Traum, der weit über sein bisheriges Leben hinausgeht: Er möchte Sänger werden und irgendwann auf den großen Bühnen stehen.
Der Traum vom Superstar
Die Gelegenheit scheint plötzlich gekommen, als in einer Zeitungsanzeige nach jungen Gesangstalenten für ein Casting gesucht wird.
Michelle unterstützt Jonas und ermutigt ihn, diese Chance zu nutzen. Tatsächlich kommt er seinem Traum vom Leben als Sänger näher.
Was zunächst wie der Beginn einer Erfolgsgeschichte aussieht, verändert allerdings zunehmend das Leben des jungen Paares.
Wenn der Erfolg die Beziehung verändert
Mit Jonas' wachsendem Erfolg bleibt immer weniger Zeit für Michelle. Termine, Auftritte und die Anforderungen des Musikgeschäfts bestimmen zunehmend seinen Alltag.
Schließlich verlangt das Management sogar, dass Jonas seine Freundin öffentlich verleugnet. Ein junger Sänger soll für seine Fans schließlich möglichst verfügbar wirken.
Als dann auch noch Bilder von Jonas mit anderen Frauen in den Medien auftauchen, verändert sich Michelle immer stärker.
Liebe, Angst vor Verlust und Eifersucht beginnen sich miteinander zu vermischen – und Michelle schlägt einen gefährlichen Weg ein.
Ein Kriminalroman über Eifersucht und Abhängigkeit
Obwohl „Superior“ als Kriminalroman veröffentlicht wurde, steht über weite Strecken kein klassischer Ermittlungsfall im Mittelpunkt.
Stattdessen begleitet Sören Prescher seine Hauptfigur bei einer psychologischen Entwicklung, deren Ausgang von Beginn an wie eine dunkle Drohung über der Geschichte liegt.
Der Leser erlebt Michelles Gedanken und Gefühle aus unmittelbarer Nähe und kann beobachten, wie sich ihre Wahrnehmung und ihre Beziehung zu Jonas verändern.
Ein Buch aus der großen Casting-Ära
Heute ist „Superior“ zugleich ein interessantes Zeitdokument. Als der Roman 2008 erschien, waren Casting-Shows und die Suche nach dem nächsten Superstar ein fester Bestandteil der deutschen Popkultur.
Formate rund um junge Gesangstalente erreichten ein Millionenpublikum. Der schnelle Weg vom völlig unbekannten Jugendlichen zum gefeierten Star schien plötzlich möglich.
Genau mit dieser Vorstellung spielt „Superior“: Was geschieht mit den Menschen hinter einer solchen Erfolgsgeschichte? Und was passiert mit einer Beziehung, wenn Management, Fans und Öffentlichkeit plötzlich mitbestimmen, wie ein junger Künstler leben und auftreten soll?
Ruhm hat seinen Preis
Dabei interessiert sich Prescher weniger für den glamourösen Teil des Musikgeschäfts als für dessen Auswirkungen auf seine Figuren.
Jonas bekommt die Chance, von der er immer geträumt hat. Gleichzeitig wird sein bisheriges Leben immer stärker von außen bestimmt.
Für Michelle bedeutet derselbe Erfolg etwas völlig anderes. Sie muss erleben, wie der Mensch, mit dem sie ihre Zukunft verbringen wollte, immer weiter aus ihrem gemeinsamen Alltag verschwindet.
Damit wird aus Jonas' Traum für Michelle zunehmend ein Albtraum.
Die Katastrophe kommt nicht plötzlich
Eine Stärke der Geschichte liegt in ihrem Aufbau. Der Roman verrät früh, dass die Beziehung in einem blutigen Drama enden wird.
Dadurch entsteht die Spannung nicht ausschließlich aus überraschenden Wendungen. Stattdessen beobachtet man, wie sich die Situation immer weiter zuspitzt.
Kleine Veränderungen werden zu größeren Konflikten, aus Unsicherheit wird Misstrauen und aus der Angst, einen Menschen zu verlieren, entwickelt sich etwas wesentlich Gefährlicheres.
Wer ist Sören Prescher?
Sören Prescher ist ein deutscher Schriftsteller, der vor allem Kriminalromane, Thriller und fantastische Literatur veröffentlicht hat.
Bereits vor „Superior“ erschien 2005 sein Roman „Der letzte Sommer“. In den folgenden Jahren veröffentlichte Prescher zahlreiche weitere Bücher und arbeitete teilweise gemeinsam mit anderen Autoren.
Dazu gehören unter anderem „Der Fall Nemesis“, „Sherlock Holmes taucht ab“, „Der Flug der Archimedes“ sowie verschiedene Kriminalromane und Kurzgeschichten.
Ein kompakter Kriminalroman
Mit 165 Seiten ist „Superior“ wesentlich kürzer als viele moderne Thriller. Prescher konzentriert sich entsprechend stark auf Michelle, Jonas und die Entwicklung ihrer Beziehung.
Das Musikgeschäft bildet dabei den Hintergrund für eine Geschichte, in deren Mittelpunkt letztlich sehr menschliche Themen stehen: Liebe, Verlustangst, Eifersucht und die Frage, wie weit ein Mensch gehen kann, wenn die eigene Vorstellung von einer gemeinsamen Zukunft auseinanderbricht.
Buchinformationen
Titel: Superior
Autor: Sören Prescher
Genre: Kriminalroman / Psychothriller
Erscheinungsjahr: 2008
Verlag: C. M. Brendle Verlag
Seiten: 165
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-9810329-9-4
Superior heute lesen
Mehr als anderthalb Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung wirkt das Umfeld des Romans zwangsläufig anders als 2008. Gerade die starke Orientierung an Casting-Shows und dem damaligen Superstar-Boom verankert die Geschichte deutlich in ihrer Zeit.
Die eigentlichen Themen des Romans sind jedoch weniger gealtert: der Umgang mit plötzlichem Erfolg, die Vermarktung junger Künstler, der Verlust von Privatsphäre und die psychischen Auswirkungen von Eifersucht und Verlustangst.
Damit ist „Superior“ heute nicht nur ein kompakter Kriminalroman, sondern gleichzeitig eine kleine Zeitreise zurück in eine Phase, in der Casting-Shows das Musikgeschäft und die deutsche Fernsehlandschaft dominierten.







