Die schwere Last

  • Geschrieben von Sven Rohde
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The Heavy Load

Der 11-jährige Jimmy ist ein Einzelgänger. Mit den Kindern aus seiner Nachbarschaft kann er nur wenig anfangen und so spielt er Tag für Tag alleine in seinem Zimmer mit seinen imaginären Geschwistern, denen er Namen und Stimmen verleiht. Das ändert sich jedoch, als Jimmy einer Theatergruppe beitritt. Er erlebt dort die Freude des Zusammenspielens mit anderen Kindern und seine Eltern nehmen ihn erstmals als glückliches Kind wahr. Als Jimmys Mutter kurz darauf schwer erkrankt, bricht für den Jungen eine Welt zusammen. Verzweifelt sucht er nach etwas, dass seiner Mutter helfen kann. Er kommt schließlich auf die grandiose Idee, in einem Film mitzuspielen.

The Heavy LoadNein, Jimmy ist nicht real, sondern eine Figur im neuen Filmprojekt von Joshua J Krull: THE HEAVY LOAD, was übersetzt soviel bedeutet wie "Die schwere Last". Nach seinen 3 Kurzfilmen DONUTS (2011), VERPASST (2011) und VOLLMOND (2014) und seiner Mitarbeit als Produktionsassistent an der südamerikanischen Produktion LIBERTADOR im vergangenen Jahr, schließt der 21-jährige Regisseur gerade die Produktion des 2. Teils von DONUTS ab. Grund genug für Ihn, langsam schon einmal das nächste Projekt ins Auge zu fassen.

 

joshuajkrull

Szenenight hatte nun Gelegenheit, den 21-jährigen Regisseur zu einem Interview zu treffen.

Szenenight: Joshua, Du bist in Deutschland geboren, hast die ersten 10 Jahre Deiner Kindheit in Mexico verbracht und wohnst nun in Berlin, bevor Du im Sommer Dein Studium in Madrid aufnehmen wirst. Bei solchen Lebensstationen erlebt man doch sicher einiges. Inwieweit wurde Dein Filmschaffen von diesen Eindrücken beeinflusst?  

Joshua J. Krull:  Also, die Eindrücke hinterlassen natürlich viele Bilder im Kopf und viele Geschichten, die mir Inspirationen geben für Filme, die ich in der Zukunft mal machen möchte. Dazu reichen meine Budgets zur Zeit nicht aus.
Zum Filmemachen kam ich durch den Besuch meines Onkels in México, der seinen Camcorder mitgebracht hat. Ich fand es so faszinierend bewegte Bilder festhalten zu können, sodass ich mir nichts mehr wünschte als meine eigene Kamera.

Szenenight: Du hast Dich also zunächst dokumentatorisch dem Medium Film genähert. Wann hast Du angefangen, die Handlung zu inszenieren, die Du da aufzeichnest?

Krull: Dokumentarisch ist übertrieben. Erstmal war nicht viel dahinter. Ich habe auf Familienfeiern gefilmt, auf Klassenfahrten, bei Ferienfreizeiten... Sowas halt.
Die erste Inszenierung war auch eine Doku "WOW WIESBADEN" im Jahr 2009, wo ich eine Moderation inszeniert habe. 2010 gab es dann einen kleinen Kurzfilm für den Camgaroo Award. Der erste Spielfilm kam dann 2010/2011 mit DONUTS.
Einen Versuch gab es 2009 allerdings auch schon mit meiner ganzen Schulklasse. Aber daraus ist dann leider nichts geworden.

Szenenight: Donuts hat mit 32 Minuten Laufzeit ja noch Kurzfilm-Länge. Dennoch ist der Aufwand sicherlich nicht zu unterschätzen, wenn man mit der notwendigen Professionalität ans Werk geht. Du hast mit „Donuts“ immerhin den zweiten Preis beim Wiesbadener „Leonardo Schul-Award“ gewonnen. Wie lange und wie intensiv ist man mit einem solchen Filmprojekt beschäftigt?

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Krull: Donuts war der erste Film der etwas professioneller war. Wir hatten eine bessere Kamera, das Set war ein wenig beleuchtet, es gab einen Drehplan. Außerdem waren mehr Leute, als nur ich am Set. Wir hatten also eine richtige Aufgabenverteilung und feste Zuständigkeiten. Insgesamt haben wir 1/2 Jahr gedreht und dann ca. 3 Monate geschnitten. Alles damals noch neben der Schule...

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Szenenight: Und dann ist letzten Sommer die Fortsetzung des Kinderfilms gedreht worden,
mit Speedboot-Verfolgungsjagd, Polizeieinsatz und einem professionellen Stuntman am Set. Wenn man Fotos von den Dreharbeiten sieht, dann sieht das dort genau so aus, wie ich mir Aufnahmen für einen Kinofilm vorstelle. Wenn hast Du für Dich festgestellt, dass Du mehr möchtest und beruflich auch Regie führen?

Donuts2Krull: Vorletzten Sommer - genaugenommen vor-vor-letzten Winter. Im Dezember 2011 gingen die Dreharbeiten los und wir hatten genau einen Drehtag. Dann haben wir ein halbes Jahr später, im Sommer 2012 bis Februar 2013 den Rest gedreht.
Gemerkt habe ich es allerdings schon vor Donuts. Es hat mich einfach gepackt. Es macht unheimlich viel Spaß, zusammen einen Film zu machen. Das ist einfach das beste was es gibt und das dann als Beruf wählen zu können und damit Geld verdienen? Besser geht's nicht.
Außerdem hat man immer Abwechslung. Es gibt immer neue Herausforderungen. Man lernt immer neue Leute kennen, auf die man sich einstellen muss, macht aber auch viele neue Erfahrungen. Mein Praktikum bei einer internationalen Kinofilm Produktion hat mich in der Entscheidung bestärkt. Ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen...

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Szenenight: Wenn ich das so höre: Teilnahme am Camgaroo Award, 2. Preis beim Leonardo Schul-Award, Gewinner beim „Flimmer“ Festival… Mit Deinem kommenden Film „The Heavy Load“ möchtest Du auch bei einem internationalen Festival wie Berlin oder Locarno teilnehmen. Bist Du ein Festival-Junkie?

Krull: Nein. Ich habe eigentlich vergleichsweise wenig Festivals mit meinen Filmen besucht. Ich vergesse immer irgendwie die Einreichefristen (er lacht). Doch nach meinem Besuch auf der Berlinale habe ich gemerkt dass ich mit den Kurzfilmen mithalten könnte und will das versuchen.

Szenenight: Das ist doch auch eine schöne Bestätigung, wenn man seine eigenen Fähigkeiten mal direkt mit anderen messen kann. Ich würde aber gerne noch mal auf Dein aktuelles Projekt zurückkommen. Kinder spielen zwar in Deinen Filmen immer eine große Rolle, aber angesichts Deiner bisherigen Filme hätte ich nicht unbedingt mit einer Handlung über einen 11-jährigen Jungen gerechnet, der eine Filmrolle annimmt, um seiner Mutter zu helfen. Woher stammt die Handlung, wie bist Du auf das Thema aufmerksam geworden?

MikaKrull: Im Sommer habe ich bei einer Musical Aufführung der Main-Taunus-Schule in Hofheim auf technischer Seite mitgewirkt. Das war "Krabat". Da habe ich dann einen 11-jährigen Schauspieler kennengelernt. Mika... Mittlerweile ist er 12 Jahre alt. Ich habe gesehen, dass er Talent hat und ihm angeboten, dass er doch mal bei einem Film von mir beim Dreh zuschauen darf und dass es vielleicht ja auch mal ne Rolle für ihn gibt. Im Herbst habe ich dann tatsächlich einen Film gedreht, wo es auch mit einer Rolle gepasst hat: "Vollmond". Da spielt Mika die Hauptrolle.

Mit seiner Mutter kam ich über die Zeit ins Gespräch und sie hat gesagt dass sie mal ne Geschichte geschrieben hat Und ob ich sie mal lesen würde. Das hab ich dann gemacht und fand sie tatsächlich so gut, dass ich ihr gesagt habe, dass ich das gerne verfilmen würde. Dann aber auf englisch und mit einem bekannten Schauspieler.
vollmond plakat 275Der Schottische Darsteller Gary Lewis hatte mir mal angeboten,  in einem Film von mir mitzuspielen. Also bin ich nach London geflogen, um mich mit ihm zu treffen und ihm die Story zu pitchen. Er fand es gut und so nahm alles seinen Lauf. Mika hat da übrigens auch eine kleine Rolle. Die Hauptrolle ging wegen der englischen Sprache nicht, da er kein native speaker ist.
Die Rolle ging an den ebenfalls 12-jährigen Marvin Jones.

Szenenight: Das Drehbuch schreibst Du aber nicht selber, das hast Du abgegeben?

Krull: Zum ersten Mal. Ja.

Szenenight: Aber als Regisseur kannst Du bei der Umsetzung bestimmt auch noch spontan kleine eigenmächtige Veränderungen drehen…

Krull: Das will ich doch hoffen. (Er lacht wieder) Die Freiheit muss ich haben. Und lass ich mir auch nicht nehmen. Noch nicht ...

Szenenight: Später bestimmen dann die Auftraggeber oder die Geldgeber, wie etwas gemacht werden soll. Wie sagt man so schön: „Die Kunst geht nach Brot“… 
The Heavy Load finanziert Ihr ja noch selber und habt Euch vorgenommen, einen Teil des Geldes über Crowdfunding zusammenzubekommen. So etwas kenne ich eigentlich nur von großen Filmproduktionen. Das erste Mal ist es mir glaube ich bei „Iron Sky“ bewusst aufgefallen. Ist das ein gangbarer Weg, um tatsächlich Unterstützer für ein Projekt zusammenzubekommen? Die kaufen ja irgendwie ein Produkt, was nur in Deiner Vorstellung existiert.

Krull: Naja die Crowdfunder bekommen ja ihr Geld zurück wenn das Produkt nichts wird. Also wenn die Finanzierung nicht klappt. Und ich muss mir ja sicher sein, dass ich das Projekt mit den geforderten Mitteln umsetzen kann. Dafür plane und berechne ich ja alles. Ich bin ganz zufriefden, bis jetzt klappt das Crowdfunding gut. Aber wir sammeln nur einen Teil des benötigten Geldes darüber. Den Rest über schon bekannte Sponsoren, die grössere Beträge sponsern.
Und was das Projekt in der Fantasie angeht: es gibt ein gutes Sprichwort dazu, beziehungsweise eine Faustregel: "Never sell a finished Movie". Soll heißen: Im Filmbusiness werden die meisten Filme schon vor Drehstart, aber auf jeden Fall vor Fertigstellung an Verleiher verkauft... Man muss gut pitchen können

Szenenight: Rührt daher auch Eure Entscheidung, den Film komplett auf Englisch zu drehen, um eine größere Zielgruppe ansprechen zu können?

Krull: Erstens muss das für die internationalen Filmfestivals so sein, andernfalls müsste man den Film untertiteln. Aber wer guckt gerne einen Film mit Untertiteln? Zweitens ist es eine Herausforderung an das gesamte Team. Und drittens haben wir einen schottischen Schauspieler. Das war dann allerdings auch einer der Hauptgründe.

The Heavy Load

Szenenight: Ich hoffe mal, Du hast Dir gerade in Bremen einige neue und interessierte Zuschauer erschlossen. Wer neugierig geworden ist, darf sich sicher auch noch an der Crowdfunding-Unterstützung beteiligen. Wir werden sicher zwischendurch noch mal vom weiteren Verlauf und von den Dreharbeiten berichten.
Eine Frage zum Schluss habe ich natürlich noch: Wie aufgeschlossen bist Du denn, mal in unserer schönen Hansestadt einen Film zu drehen?

Krull: Ich war noch nie in Bremen. Wär mal ne Reise wert. Und wie ich in so manchem Kinofilm gesehen habe der da gedreht wurde, gibt es auch super Drehorte. 
Also auf jeden Fall (er lächelt verschmitzt): nur ist mir ein auswärts Drehen momentan budgettechnisch leider gar nicht möglich.

Szenenight: Wir Bremer werden Dich beim Wort nehmen! Später, wenn Du berühmt bist und das Budget keine Rolle mehr spielt.
Dann bedanke ich mich, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast und wünsche Dir viel Erfolg und Freude beim Dreh von The Heavy Load!



Wer sich für die Crowdfunding-Unterstützung interessiert, findet sie bei Startnext: 
www.startnext.de/heavy-load

Joshua Krulls Kurzfilm VOLLMOND ist auch bei Youtube zu finden. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Anschauen!


Fotos von Justus Künanz, Andreas Wiezorek, Pascal Siegert

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