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Mittwoch, 23 April 2014

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Viertel-Größe Günther Kahrs alias "Meister Propper" ist tot

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Foto: Radio Weser.tvViertel-Größe Günther Kahrs alias "Meister Propper" ist gestorben. Er inszenierte sich selbst -  und wurde dafür geliebt. Am vergangenen Donnerstag bat er Marlene Stamerjohanns an seiner Stelle den "Kahrs´Poetry Slam" zu moderieren. Die 72-jährige macht seit Jahren bei dieser Veranstaltung mit. "Du kannst den Leuten ruhig sagen, dass ich Panikattacken habe - das ist eben eine Krankheit" , habe er zu ihr gesagt. Tagsdrauf beendete er sein Leben auf der Bahnstrecke Bremen-Hamburg.

Seit 20 Jahren prägte Kahrs durch seine Arbeit als unermüdlich subversiver Veranstalter, der seine Slams mit handgemachten Flyern ankündigte. Kahrs war ein Mann der Tat. Er arbeitete als Referent der ersten grünen Landtagsfraktion, war in den Achtziger Jahren grüner Vorstandssprecher und wollte 1999 mit seinem "Verein für Dada und Lebensfreude" Bürgermeister werden. Letztes klappte dennoch nicht.

Das Sich-Abkämpfen an behördlichen Vorgaben gehörte für Kahrs offenbar zum Lebensskript - zuletzt in Bezug auf seinen Club im "Lonely Planet Boy" über dem Sielwalleck, der unter anderem wegen der fehlenden Konzession Pleite ging. Zuvor war der Club jedoch ein verzehrzwangfreier Melting Pot für jungen Punks, erlebnisoffene 40-Jährige und HFK-StudentInnen, die ihre experimentelle Kunst einbrachten. Kahrs schaffte immer wieder Orte zur spontanen Betätigung: Schon die Kellerbühne in der Weberstraße, auf der alle möglichen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ohne Anmeldung auftraten, entwickelte sich bis zur Schließung 2000 zu einem subkulturellen Kristallisationspunkt. "Er hatte immer eine Idee und lag immer ein bisschen quer", sagt Peter Rüdel, der Kahrs aus grünen Urzeiten kennt. Viertel-Bürgermeister Robert Bücking, der mit Kahrs - wie viele andere - heftige Auseinandersetzungen ausfocht, ist beeindruckt von der "konsequenten Metamorphose", durch die sich Kahrs zur Kunstfigur "Meister Propper" verwandelte. Das habe ihn einerseits stark gemacht und zu dem "unglaublich schroffen Auftreten" befähigt, mit dem Kahrs seine Projekte verfocht - und ihm andererseits außerordentliche Sympathien eingebracht. Bücking: "Die Leute schätzten ihn für seine Originalität."
Kahrs wird kommenden Donnerstag um 13.45 Uhr auf dem Buntentorfriedhof beerdigt. Auf dem Viertelfest, wo Kahrs vergangenes Jahr einen von der Polizei argwöhnisch beäugten Auftritt mit der Rapperin "Lady Bitch Ray" hatte, will das Lagerhaus ein Gedenken veranstalten.

Quelle: taz.de

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