Der sowjetische Kommandant ist sich sicher: "Juden kämpfen nicht." Ihm wird scharf widersprochen: "Diese Männer schon", ruft der jüdische Partisan Tuvia und zeigt auf seine Leute. Die wirken in ihren zerlumpten Klamotten zwar nicht gerade wie eine Elitetruppe, und einige von ihnen haben auch erst vor Kurzem das Schießen gelernt, aber es gibt etwas, das sie noch stärker antreibt als jeder Befehl von oben: Hass auf die Nazis, das Verlangen nach Vergeltung. Und schon bald kämpfen die jüdischen Freischärler und die Männer der Roten Armee Seite an Seite gegen die deutschen Besatzer. In den Wäldern von Weißrussland wird es ungemütlich für die Nazis.
"Defiance": Das Wort bedeutet aus dem Englischen übersetzt so viel wie Trotz oder Missachtung. Oder im Zusammenhang des Films: verzweifelter Widerstand in schier auswegloser Situation. "Blood Diamond"-Regisseur Edward Zwick erzählt die wahre Geschichte der Brüder Tuvia (Daniel Craig), Zus (Independent-Star Liev Schreiber) und Asael (Nachwuchstalent Jamie Bell), die 1941 eine jüdische Widerstandsgruppe gründeten. Edward Zwick hat zwölf Jahre für die Realisierung des Films gestritten, und wahrscheinlich würde er mit dem Skript noch heute die Studios abklappern, wenn nicht Neu-Bond Daniel Craig als zugkräftiger Hauptdarsteller eingesprungen wäre.
Der Film beginnt mit der Ermordung der Bielski-Sippe durch einen antisemitischen Polizeichef, der mit der SS kollaboriert. Nur die Brüder überleben. Sie schwören Rache und ziehen sich in die Wälder zurück. Dort gründen sie mit anderen jüdischen Naziopfern Partisanengruppen, die Sabotageakte gegen die Besatzer verüben, Waffen organisieren und Landsleute vor dem Gaskammertod retten. Das Jerusalem im Wald wächst beständig, doch gleichzeitig eskaliert der Bruderkrieg zwischen dem besonnenen Tuvia und dem hitzköpfigen Zus. Letzterer verlässt schließlich im Zorn die Gruppe und schließt sich den Verbänden des russischen Generals Panchenko (Ravil Isyanov aus "The Good German") an. Als die Nazis bald darauf die Rebellencamps in den Wäldern aufspüren und angreifen, kämpfen die zerstrittenen Brüder allerdings wieder Seite an Seite.
"Defiance" ist der erste Action-Holocaustfilm: Wenn man die Juden durch Indianer und die Nazis durch John-Wayne-Cowboys ersetzen würde, hätte man einen Western. Dennoch bleibt spürbar, wie ernst und gewissenhaft Zwick sein Thema angeht. Mit seinem Film will er das Klischee des Opferjuden korrigieren, der an seiner Vernichtung unausgesprochen selbst schuld sei. Dabei gab es jüdischen Widerstand sehr wohl, in den Vernichtungslagern von Treblinka und Sobibór, im Warschauer Ghetto, und auch die Bielski-Brüder stehen in dieser stolzen Tradition. Edward Zwick setzt ihnen ein würdiges Denkmal. Einige Dialoge über die moralische Rechtmäßigkeit des Mordens aus Notwehr geraten zwar allzu schematisch und lehrbuchhaft, aber davon abgesehen gelingt Zwick anspruchsvolles Spannungskino voller Dramatik, Leidenschaft und Wut. Ja, diese Männer können kämpfen.